Ein Vereinsbudget stellt die erwarteten Einnahmen den geplanten Ausgaben eines Jahres gegenüber. Es wird vom Vorstand erstellt und meist von der Vereinsversammlung genehmigt. Zehn bis zwanzig realistisch geschätzte Positionen genügen für die allermeisten Vereine.
Gratis-Vorlage
Budget-Vorlage für Vereine
Excel-Vorlage mit den typischen Einnahmen und Ausgaben eines Vereins
Spalten für Budget, Ist und Vorjahr, mit automatischen Summen
Beispielzahlen eines Musterverein, die ihr einfach überschreibt
Excel, eine Datei
Warum jeder Verein ein Budget braucht
Das Budget ist das einzige Instrument, mit dem ein Vorstand vor dem Geldausgeben sieht, ob die Rechnung aufgeht. Es beantwortet drei Fragen, die sonst erst im Nachhinein auftauchen: Reichen die Beiträge? Können wir uns das neue Material leisten? Und wie viel Reserve bleibt am Jahresende?
Dazu kommt die formelle Seite: Die meisten Statuten geben der Vereinsversammlung die Kompetenz, das Budget zu genehmigen. Ohne Budget entscheidet die Versammlung also über etwas, das ihr niemand vorgelegt hat.
Aufbau: die typischen Posten
Ein Vereinsbudget ist keine Firmenplanung. Diese Struktur deckt die meisten Vereine vollständig ab.
Typische Budgetposten eines Vereins
Einnahmen
Ausgaben
Mitgliederbeiträge
Material und Ausrüstung
Erträge aus Anlässen und Festwirtschaft
Miete für Räume und Anlagen
Sponsoring
Kosten für Anlässe
Spenden und Gönnerbeiträge
Entschädigungen, Honorare und Spesen
Subventionen von Gemeinde oder Kanton
Verbandsbeiträge und Lizenzen
Verkäufe, etwa Kleider oder Festabzeichen
Versicherungen und Bankspesen
Zinsen
Administration, Website, Porti
Plant zusätzlich eine Position für Unvorhergesehenes ein, üblich sind fünf bis zehn Prozent der Ausgaben. Grössere Anschaffungen, die mehrere Jahre halten, gehören sinnvollerweise in eine mehrjährige Planung statt vollständig ins laufende Budget.
Wie ihr die Posten realistisch schätzt
Ein Budget ist nur so gut wie seine Annahmen. Für die grossen Posten gibt es jeweils eine Methode, die besser funktioniert als das Fortschreiben des Vorjahres.
Schätzmethode je Budgetposten
Posten
So schätzt ihr
Häufiger Fehler
Mitgliederbeiträge
Bestand per Stichtag mal Beitrag, minus erfahrungsgemässe Ausfälle
mit dem vollen Bestand rechnen
Ertrag aus Anlässen
Durchschnitt der letzten drei Jahre, nicht das beste Jahr
das Rekordjahr als Massstab nehmen
Sponsoring
nur vertraglich zugesagte Beträge einsetzen
Absichtserklärungen mitrechnen
Subventionen
nur, was zugesichert ist, und zweckgebunden ausweisen
als frei verfügbar behandeln
Material
wiederkehrender Bedarf plus geplante Anschaffungen einzeln
einen Sammelbetrag ohne Grundlage
Entschädigungen
Anzahl Personen mal vereinbarter Betrag, Naturalleistungen mitrechnen
Naturalleistungen vergessen
Unvorhergesehenes
fünf bis zehn Prozent der Ausgaben
ganz weglassen
Ein Musterbudget mit Zahlen
So sieht das Budget eines Vereins mit rund achtzig Mitgliedern und einem grösseren Anlass pro Jahr aus. Die Excel-Vorlage oben enthält dieselbe Struktur mit Formeln.
Musterbudget eines mittelgrossen Vereins, Beträge in CHF
Position
Budget
Vorjahr Ist
Mitgliederbeiträge
12'000
12'240
Ertrag Sommerfest
8'000
9'450
Sponsoring
3'000
3'000
Spenden und Gönner
1'500
2'100
Gemeindebeitrag
2'000
2'000
Total Einnahmen
26'500
28'790
Material und Ausrüstung
4'000
3'820
Miete Halle
6'000
6'000
Aufwand Sommerfest
5'500
5'970
Entschädigungen und Spesen
4'500
4'350
Verbandsbeiträge und Lizenzen
2'200
2'150
Versicherungen und Administration
1'800
1'740
Einlage Jubiläumsrückstellung
1'000
1'000
Unvorhergesehenes
1'200
0
Total Ausgaben
26'200
25'030
Ergebnis
+300
+3'760
Beispielhafte Zahlen zur Veranschaulichung des Aufbaus. Die Beträge eures Vereins werden anders aussehen, die Struktur nicht.
Beachtet die Zeile Unvorhergesehenes: Sie ist im Budget besetzt und im Ist leer. Genau so soll es sein. Sie ist keine Ausgabe, sondern ein Puffer, und wenn sie am Jahresende unberührt bleibt, hat die Planung funktioniert.
Fünf Fehler beim Budgetieren
Einnahmen zu optimistisch schätzen. Rechnet beim Fest mit schlechtem Wetter, nicht mit dem Rekordjahr.
Beiträge brutto planen. Kalkuliert mit Austritten und Zahlungsausfällen, nicht mit dem vollen Mitgliederbestand.
Einmaliges als wiederkehrend behandeln. Eine Sonderspende ist kein Budgetposten fürs nächste Jahr.
Rückstellungen vergessen. Das Jubiläum in drei Jahren kommt sicher, also legt jedes Jahr etwas zurück.
Kein Vergleich mit dem Vorjahr. Die Vorjahresspalte deckt Fehlschätzungen sofort auf.
Mehrjahresplanung für grosse Anschaffungen
Sobald ein Verein Dinge besitzt, die mehrere Jahre halten, reicht das Jahresbudget nicht mehr. Ein Festzelt, eine Musikanlage oder ein Vereinsfahrzeug wird einmal gekauft und über Jahre genutzt. Wer das nur im Kaufjahr abbildet, zeigt ein verzerrtes Bild.
Die einfache Lösung für Vereine ohne doppelte Buchhaltung ist eine Liste mit drei Spalten: Was steht an, wann, und wie viel kostet es. Daraus ergibt sich der jährliche Betrag, den ihr zurücklegen müsst.
Beispiel einer einfachen Mehrjahresplanung
Vorhaben
Wann
Kosten
Jährliche Einlage
Jubiläum 25 Jahre
in 4 Jahren
CHF 8'000
CHF 2'000
Ersatz Festzelt
in 6 Jahren
CHF 6'000
CHF 1'000
Neue Trikots
in 3 Jahren
CHF 3'000
CHF 1'000
Total
CHF 4'000
Die jährliche Einlage gehört als Ausgabenposition ins Budget und im Abschluss in die Rückstellungen.
Der Nebeneffekt ist politischer Natur: Eine Versammlung, die eine solche Tabelle sieht, versteht, warum der Verein Reserven hält. Ohne sie wirkt jedes Guthaben wie zu hoch angesetzte Beiträge.
Das Budget an der Versammlung
Legt das Budget zusammen mit der Jahresrechnung vor, in derselben Struktur. So kann die Versammlung Zeile für Zeile vergleichen, was geplant war und was tatsächlich passiert ist. Erklärt Abweichungen über zehn Prozent von sich aus, das schafft mehr Vertrauen als jede Nachfrage aus dem Saal. Die Genehmigung gehört ins Protokoll, ebenso ein allfälliger Beschluss über neue Beiträge.
Häufige Fragen
Muss ein Verein ein Budget erstellen?
Das Gesetz verlangt es nicht. Die meisten Statuten sehen aber vor, dass die Vereinsversammlung das Budget genehmigt. Ohne Budget fehlt der Versammlung die Grundlage, um über Beiträge und Ausgaben zu entscheiden.
Wer erstellt das Budget?
In der Regel der Kassier zusammen mit dem Vorstand. Die Fachgruppen liefern ihre geplanten Ausgaben, der Kassier fügt sie zusammen und prüft, ob die Rechnung aufgeht.
Wie genau muss ein Vereinsbudget sein?
So genau wie nötig, nicht wie möglich. Zehn bis zwanzig Positionen reichen für die meisten Vereine. Wichtig ist, dass grosse Posten realistisch geschätzt sind und die Annahmen nachvollziehbar bleiben.
Was tun, wenn das Budget ein Defizit zeigt?
Offen an die Versammlung bringen. Ein geplantes Defizit ist zulässig, solange das Vereinsvermögen es trägt und der Vorstand erklärt, wie es aufgefangen wird. Verschwiegene Defizite sind das eigentliche Problem.
Wann sollte das Budget erstellt werden?
So, dass es der Einladung zur ordentlichen Versammlung beigelegt werden kann, üblicherweise also gleichzeitig mit der Jahresrechnung. Wer erst im Saal Zahlen verteilt, erhält keine Diskussion, sondern nur Zustimmung ohne Prüfung.
Ist das Budget für den Vorstand verbindlich?
Sobald die Versammlung es genehmigt hat, ist es der Rahmen, in dem der Vorstand handeln darf. Wie streng das gilt, steht in euren Statuten. Üblich ist, dass Überschreitungen einzelner Posten zulässig sind, grössere ungeplante Ausgaben aber einen Versammlungsbeschluss brauchen.
Wie viel Reserve sollte ein Verein halten?
Als Faustregel gilt ein Betrag, der die fixen Kosten eines Jahres deckt, also Miete, Versicherungen und Verbandsbeiträge. Damit übersteht der Verein ein ausgefallenes Fest oder einen Mitgliederschwund, ohne sofort Beiträge erhöhen zu müssen.
Gehören Rückstellungen ins Budget?
Ja, als eigene Ausgabenposition. Wer für ein Jubiläum in vier Jahren jedes Jahr einen Betrag zurücklegt, zeigt das im Budget als geplante Einlage. Sonst erscheint das Jubiläumsjahr als Katastrophe und die Jahre davor als zu erfolgreich.
Müssen wir das Budget mit dem Vorjahr vergleichen?
Vorgeschrieben ist es nicht, aber ohne Vergleichsspalte ist ein Budget kaum zu beurteilen. Erst die Gegenüberstellung von Budget, letztem Ist und neuem Budget zeigt, ob eine Schätzung realistisch ist.